- Gottesbezüge in deutschen Verfassungen – zur religiös-weltanschaulichen Identität staatlichen Rechts Das Grundgesetz weist in seiner Präambel einen Gottesbezug auf. Im April 2026 hat das Saarland seine Verfassung um eine neue Präambel ergänzt, die einen mit dem Grundgesetz gleichlautenden Gottesbezug enthält. Damit stehen der Bund und das Saarland nicht allein, denn (mit dem Saarland als 8. Land) weisen die Hälfte der 16 Länder einen Gottesbezug in ihren Verfassungen auf. Diese großenteils bereits seit Jahren existierenden Gottesbezüge in den Verfassungen von Bund und Ländern vergegenwärtigen eine Beziehung der Wechselwirkung zwischen staatlichem Recht und religiösem wie weltanschaulichem Wertekanon. Das Verfassungsrecht und auch weiteres staatliches Recht gründen auf religiösen, weltanschaulichen, übergesetzlichen Werten und Einflüssen. Dies dokumentieren entsprechende Formulierungen im deutschen Bundes- und Landesrecht wie ebenfalls im europäischen Recht. Die Verfassungsänderung im Saarland kann ein Indiz dafür sein, dass dieses historische Faktum und das Bewusstsein dafür eine gewisse Renaissance erfahren. 28. 08. 2026
- Baurecht und Religionspolitik Die religionspolitischen und religionsverfassungsrechtlichen Dimensionen des Baurechts sind nicht unbeträchtlich. Der Beitrag spricht vor dem Hintergrund der aktuellen BauGB-Novelle einige Aspekte an, die sowohl die Relevanz religiöser Pluralisierung als auch den diagnostizierten Wandel zu einer „postparochialen Kirche“ baurechtlich in den Blick nehmen und hinsichtlich erforderlicher Rechtsregelungen bedenken wollen, um bedarfsgerechte, ortsbezogene Entwicklungsherausforderungen jenseits der Wohnungsbauproblematik bewältigen zu können. 22. 06. 2026
- Orthodoxe Kirche in Deutschland: Wachstum ohne Struktur? Eine religionspolitische Herausforderung Die wachsende Präsenz der Orthodoxen Kirche in Deutschland bringt religionspolitische Herausforderungen. Im Zentrum stehen die institutionelle Integration sowie Defizite im Bereich der religiösen Bildung, insbesondere der Mangel an Ausbildungsstrukturen für Religionslehrkräfte. Zugleich werden die Verantwortung der Orthodoxen Kirche in diesen Punkten sowie insbesondere die Bewahrung ihrer Authentizität im Kontext politischer Einflussnahmen reflektiert. 21. 04. 2026
- Verschleierung im Recht: Niqab am Steuer Die verschiedenen Arten der Verschleierung von – zumeist muslimischen – Frauen geben der Rechtsprechung regelmäßig Anlass, sich mit dem Spannungsverhältnis von Religionsfreiheit und den weiteren Grundrechten auseinanderzusetzen. In jüngerer Vergangenheit betraf dies besonders häufig das sog. Verhüllungsverbot im Straßenverkehr. Bislang lässt sich eine eindeutige Rechtsprechungslinie beobachten. 19. 03. 2026
- Die Union braucht die Kirchen und die Kirchen brauchen die Union – Ein kleiner Weckruf in Anbetracht wachsender Entfremdungstendenzen Es kommt immer häufiger zu öffentlich wahrnehmbaren Spannungen und bedenklichen Entfremdungstendenzen zwischen den Unionsparteien und den beiden großen Kirchen, und zwar in einem Ausmaß, das bei der Gründung der CDU im Jahre 1945 oder über weite Jahrzehnte der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland aufgrund der breiten gemeinsamen christlichen Wertebasis noch völlig undenkbar gewesen wäre. Diese Entfremdungstendenzen sollten sehr ernst genommen und keineswegs marginalisiert werden, und zwar auf beiden Seiten, kirchlich wie parteipolitisch. 09. 02. 2026
- Politik und Religion: Kooperation statt Kulturkampf – Kommunikation statt Polarisierung In den USA regiert inzwischen eine Regierung, geführt von der Republican Party, die unter enormem Einfluss einer neuen christlichen Koalition steht. Die Democratic Party setzte demgegenüber eher auf stärkere Säkularisierung und eine laizistische Politik. Resultate sind u. a. eine religionspolitische Polarisierung der Parteien und eine konfrontative Spaltung der Gesellschaft. Will man in Deutschland Ähnliches vermeiden, so sollte eine intensivere Zusammenarbeit „bürgerlicher Parteien“ mit den Religionsgemeinschaften das Ziel sein. In Zeiten, die sich gewendet haben, bedarf es beim Thema „Politik und Religion“ eines neuen Denkens. 30. 10. 2025
- Neujustierung statt Rückkehr: Das BVerfG „europäisiert“ das kirchliche Selbstbestimmungsrecht Der erwartete „Showdown“ zwischen BVerfG und EuGH im Fall Egenberger blieb aus – und doch setzt Karlsruhe ein Ausrufezeichen. Das BVerfG stärkt das kirchliche Selbstbestimmungsrecht, ohne die EuGH-Vorgaben infrage zu stellen. Statt der Rückkehr zur alten Linie müssen die Kirchen künftig die Bedeutung einer Stelle für ihr religiöses Selbstverständnis darlegen und den Zusammenhang zwischen religiösem Ethos und beruflicher Anforderung begründen. Dies ist kein Bruch mit dem Unionsrecht, sondern eine selbstbewusste Weiterentwicklung des kirchlichen Selbstbestimmungsrechts im europäischen Kontext. 28. 10. 2025
- Zwischen Ankunft und Argwohn – Muslimisches Leben in Deutschland Menschen islamischen Glaubens leben seit über sechs Jahrzehnten in Deutschland – zuerst als Gastarbeiterinnen und Gastarbeiter und dann als Unternehmerinnen und Unternehmer sowie als Staatsbürgerinnen und Staatsbürger. Sie sind tief in der Gesellschaft verwurzelt, und dennoch sind sie bis heute häufig Gegenstand politischer Debatten, medialer Stereotype und sicherheitspolitischer Maßnahmen. Was bedeutet es, muslimisch und deutsch zu sein – und warum gilt diese Kombination für viele noch immer als erklärungsbedürftig? 28. 10. 2025
- Wie viel Raum lässt die säkulare Demokratie für religiöse Motive in der Politik? Bundestagspräsidentin Klöckner kritisierte im April, dass sich Kirchen zu oft in Tagespolitik einmischen würden. Kurz darauf entbrannte wegen ihrer Positionen zu Menschenwürde und Schwangerschaftsabbruch eine Debatte um Frauke Brosius-Gersdorf, die als Richterin für das Bundesverfassungsgericht nominiert worden war. Beide Diskurse laden ein, den Raum religiöser Motive in der säkularen Demokratie zu hinterfragen. 10. 10. 2025